Stuttgarter nachrichten

Galerie Heller in Stuttgart-Vaihingen: Gemalt bei zehn Grad Kälte

 Von Sabine Schwieder 16. Februar 2018 - 16:04 Uhr

 

„Der frierende Maler“ von Hermann Sohn und die „Winterlandschaften“ von Leonhard Schmidt zeigen die unterschiedliche Arbeitsweise der beiden Künstlerfreunde. Auch Arbeiten des Innenarchitekten und Zeichners Eugen Nanz sind in der Galerie zu sehen. Foto:

 

Die Galerie Heller in Stuttart-Vaihingen hat drei Maler des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit Gegenwartskunst kombiniert. Die Ausstellung „Schnee“ wird am Sonntag, 18. Februar eröffnet.

 

Vaihingen - Er habe seit frühester Jugend gerne Schnee gemalt, erzählt der 82-jährige Kunsterzieher und Maler Martin Heller. So hat er sein Lieblingsmotiv zum Thema der jüngsten Ausstellung in der Galerie Heller gemacht und unterschiedliche Kunstwerke zum Thema Winter zusammengestellt. Gemeinsam mit seinem Sohn, dem Architekten Tilman Heller, hat er die Wände der Galerie Heller in der Mezgerstraße mit Arbeiten dreier noch im 19. Jahrhundert geborener Künstler bestückt. Mit Waltraud Stoll und Werner Lehmann sowie eigenen Arbeiten hat der Kurator auch die Gegenwart einbezogen. Die Ausstellung „Schnee“ wird am Sonntag, 18. Februar, um 11 Uhr eröffnet.

 

„Schnee von vorgestern“, nennt Martin Heller halb spöttisch, halb bewundernd die drei Stuttgarter Künstler, deren Werke im Mittelpunkt des Untergeschosses stehen. Selbst Schüler von Hermann Sohn, hat er sich mit großem Interesse in die Lebensgeschichten der drei Künstlerkollegen vertieft. Die Biografien von Eugen Nanz (Jahrgang 1887), Leonhard Schmidt (geboren 1892) und Hermann Sohn (1895) weisen Ähnlichkeiten auf, sie erzählen von den Schreckenszeiten zweier Weltkriege und des Nationalsozialismus. Alle drei schafften es als Söhne von Handwerkern an die Kunstgewerbeschule oder an die Akademie der Bildenden Künste.

 

Düstere Winterlandschaften von Eugen Nanz

 

Am 17. Februar 1929 malte Eugen Nanz eine seiner düsteren Winterlandschaften und versah sie mit dem Kommentar „Gemalt bei zehn Grad Kälte“. Es ist der Blick eines passionierten Jägers auf verschwommene Bäume, einen braun-grauen Waldrand, am unteren Bildrand ein dunkler Raubvogel. „Nanz war als Maler durchaus traditionell“, meint Martin Heller, „aber als Zeichner war er besonders interessant.“ Auch in seinen späteren Jahren, als er vor allem als Innenarchitekt erfolgreich war und für seine Möbelentwürfe ausgezeichnet wurde, blieb er dem Zeichnen treu.

 

Von 1901 bis 1931 war Nanz freier Mitarbeiter der „Meggendorfer Blätter“, einer Wochenzeitschrift für Humor und Kunst. Einige für die in München und Esslingen erschienene Zeitung gestalteten Zeichnungen zeigen Schlittenfahrer an der Gablenberger Steige, wo der Künstler sein Atelier hatte. Im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart lagern zudem mehr als 500 Zeichnungen des damaligen Regimentszeichners, der im Ersten Weltkrieg einen Kopfschuss erlitt. „Er zeigte aber nicht, wie beispielsweise Otto Dix, das Schaurige des Krieges, sondern beschrieb anteilnehmend den Alltag in den Schützengräben“, sagt Martin Heller.

 

Kühles Blau, eisiges Weiß bei Hermann Sohn

 

Hermann Sohn, Kind einer Mettinger Wengerterfamilie, war gelernter Lithograph und studierte an der Akademie, an der er von 1946 bis 1962 eine Professur innehatte. Seine Arbeiten sind farbiger, enthalten sowohl konstruktivistische als auch expressionistische Elemente. Sein „Frierender Maler“ ist von kühlem Blau und eisigem Weiß dominiert, seine Landschaften sind von Eisenbahnschienen und Zweckgebäuden geprägt.

 

Stille und zeitlose Bilder von Leonhard Schmidt

 

Einen anderen Weg ging Leonhard Schmidt. Dessen reduzierte, klare Gemälde sind ästhetisch eine reine Freude. Fast poetisch schlängelt sich ein Weg durch einen verschneiten Wald, trotz der sparsam verwendeten Farbe leuchten die Bilder – still und zeitlos. Es ist kaum verständlich, warum dieser Maler während der Nazizeit Ausstellungsverbot hatte.

 

Skifahrer und skurrile Geschichten

 

Im Obergeschoss der Galerie ist die Gegenwart präsent. Martin Heller zeigt seine großformatigen Schneebilder, darunter eine Collage, die einen Skihang voller verrenkter Figuren in rasender Fahrt zeigt. Eine kritische Anmerkung zum Skizirkus und dessen Event-Charakter. Waltraud Stoll zeigt die geografische und geologische Seite einer Berglandschaft, und Werner Lehmanns skurrile, fast bösartigen Collagen erzählen witzige Geschichten.

 

Schnee Die Ausstellung in der Galerie Heller, Mezgerstraße 27, in Vaihingen, wird am Sonntag, 18. Februar, um 11 Uhr eröffnet. Die Arbeiten sind bis zum 4. März samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

 


18.02.2018 I ausstellung "schnee" in der galerie heller

Schnee

 

Eugen Nanz, Leonhard Schmidt, Hermann Sohn, Martin Heller, Waltraud Stoll, Werner Lehmann

 

Eröffnung am Sonntag, den 18. Februar 2018 um 11:00 Uhr

Einführung in die Ausstellung; Martin Heller

 

Öffnungszeiten: Samstag 24.02.2018 und Sonntag 25.02.2018 von 11:00 - 17:00 Uhr

Samstag 03.03.2018 und Sonntag 04.03.2018 von 11:00 - 17:00 Uhr

 

architektur + galerie heller, mezgerstr.27, 70563 stuttgart, telefon 0711/2635455, studio@tilman-heller.de


10.09.2017 I Tag des offenen denkmals


11.09.2016 I Tag des offenen denkmals


13.09.2015 I Tag des offenen denkmals


14.09.2014 I Tag des offenen denkmals


Feb-mai 2014 I AUSSTELLUNG:                                                                                    Hauptstaatsarchiv Stuttgart  I  Pinselstriche in der Todeszone

Kriegsszene von Eugen Nanz, 1915. Foto: hsa
Kriegsszene von Eugen Nanz, 1915. Foto: hsa

 

Von Rainer Vogt 

Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart zu sehen: „Württembergische Künstler sehen den Ersten Weltkrieg“.

[...] Albert Heim, Eugen Nanz und Paul Lang-Kurz, die von Albrecht Ernst, Wolfgang Mährle und Marco Birn aus den reichen Beständen des Landesarchivs als künstlerische Zeitzeugen auserkoren wurden, eint außer ihrer württembergischen Landsmannschaft die jahrelange Teilnahme am Krieg. Weitaus die meisten Exponate der Schau sind während des Kriegs entstanden. Als Soldaten waren alle drei Künstler an vielen Fronten quer durch Europa eingesetzt, haben das Gemetzel jedoch überlebt. Und alle drei fanden zurück in ihre teils künstlerische, teils bürgerliche Existenz. [...]

 

Der Stuttgarter Eugen Nanz (1887–1958), der an der Kunstgewerbeschule auf dem Weißenhof bei Bernhard Pankok und Christian Landenberger studiert hatte, wurde 1919 von Pankok als Assistent berufen. Von dem von 1916 an als Regimentszeichner arbeitenden Künstler sind fast 500 Kriegsszenen erhalten, die mit realistischer Präzision überzeugen und Eingang in kriegsgeschichtliche Publikationen fanden. Die in unterschiedlichen Techniken mit Tusche, Blei-, Bunt- und Fettstift realisierten Zeichnungen liefern durchaus ungeschönte Bilder vom Krieg. Die „Soldaten auf dem Weg zum Stellungsbau vor der Bzoura“ in Polen (1915) sieht man von hinten, dicht aneinandergedrängt und unter einem ausdrucksstarken Fächer himmelwärts gerichteter Schaufelstiele. Die zwei Jahre später gezeichnete „Bergung eines Soldaten aus einem Granattrichter“ und der ebenfalls 1917 in Temperatechnik gemalte „Soldatenfriedhof“ in romantisierender Dämmerung lassen an der veränderten Stimmung zu diesem Zeitpunkt wenig Zweifel.

 


01.09.2009 I DES Künstlers refugium will wiederentdeckt werden


16.05.2009 I hermann sohn platz in esslingen-mettingen


17.12.2008 I hermann sohn platz in esslingen-mettingen

Esslinger Zeitung, 17.12.2008

 

Durch den Umbau der Kreuzung Obertürkheimer Straße und Schenkenbergstraße entsteht im Esslinger Stadtteil Mettingen ein neu gestalteter Platz. Nach der festklegung des Gemeinderates vom 15. Dezember soll er den Namen „Hermann-Sohn-Platz“ erhalten. Die Bezeichnung dient nicht als postalische Adresse.

 

Der Bürgerausschuss Mettingen, Brühl, Weil hatte vorgeschlagen, den neu gestalteten Platz an der Kreuzung Obertürkheimer Straße und Schenkenbergstraße Hermann-Sohn-Platz zu benennen. Mit großer Mehrheit war auch der Kulturausschuß dieser Empfehlung gefolgt. Hermann Sohn hat durch sein Werk, seine Funktion und seine lebenslange Verbundenheit mit der Stadt Esslingen am Neckar eine herausragende Bedeutung, so die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage, die durch die Benennung des Platzes angemessen gewürdigt werden kann.

Hermann Sohn, der 1895 geboren wurde, hat nach seiner Ausbildung zum Lithographen und dem Besuch der Kunstgewerbeschule an der Stuttgarter Akademie der bildenden Künste studiert. Als freischaffender Künstler hat er mit einer Vielzahl von Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht, bis er 1937 mit einem Ausstellungsverbot belegt wurde. 1945 war er Mitbegründer des Verbandes bildender Künstler Württembergs. Von 1946 bis 1962 war er Professor an der Staatlichen Akademie der bildenden Künstler in Stuttgart. Auch in dieser Zeit bis zu seinem Tod im Jahr 1971 gestaltete er Ausstellungen mit seinen Werken. 1975 und 1995 erinnerte die Stadt Esslingen am Neckar mit einer Gedächtnisausstellung und einer Retrospektive an den Esslinger Künstler.

 

gez. Roland Karpentier

Pressereferent